Caual Friday: Die Bilder von April-Juni Teil II von II

Interessieren Sie sich für Digitale und/oder Analoge Fotografie, zu den Verhältnisse zwischen diesen doch unterschiedlichen Medien? Haben Sie schon mal von Dunkel- oder Hellenkammer gehört oder möchten Sie einen schnellen Blick auf den tiefen Unterschieden zwischen den beiden werfen? Haben Sie sich auch schon mal gefragt was ein gutes Bild ausmacht?

Dann könnte dieser heutige Blogeintrag, ü.a. für diesen Themen, für Sie interessant sein.

Zweiter Termin mit der Zusammenfassung der „Casual Friday“ Bilder von April-Juni.

In dieser zweiten Folge werden, wie letztes Mal versprochen, die Bilder von Juni zusammengefasst.

Wir werden anfangen mit einer starken Überlegung über die Verhältnisse zwischen analogem und digitalem Zeitalter und wie unsere Wahrnehmung von Bildern sich dementsprechend geändert hat.

Die Bilder von Juni:

Blue for Arenzano

Bei diesem Bild kann man schon eine kleine Geschichte erzählen mit einer Überlegung über was u.a. Straßenfotografie, im Zusammenhang mit dem Verhältnis zwischen analogen und digitalen Fotografie, bedeuten kann.

Bilderstrom in Sekundentakt

Heutzutage werden wir buchstäblich mit abertausenden Bildern pro Sekunde bombardiert. Die Digitale Fotografie hat die Messlatte inzwischen ganz hoch gesetzt und die Qualität, was das immer auch bedeutet, hat sich parallel gesteigert.

Digital fotografieren: kosten ersparen und dabei eine „bessere“ Qualität erzielen. Welche sind die wahren Kosten aber? Teil I

Digital ist gleich Kostenersparnis: man hat die Möglichkeit, das Bild sofort zu checken und eventuell gleich zu wiederholen. Die rauschenfreien ISO werden immer höher und zusammen mit Linsen die immer besser werden und einem guten Stabilisator kann man öfters ganz gelassen ohne Stativ fotografieren oder perfekt saubere, scharfe und detailreiche Bilder erhalten, die früher, nach diesen Standards, unmöglich waren.

Digital fotografieren, Teil II: die Hellenkammer

Dazu kommt die digitale Dunkelkammer (oder ich sollte lieber Hellenkammer sagen) wo so gut wie alles möglich ist. Frei von der Sekunden/Minutentakt bei der man in der Dunkelkammer arbeiten musste, kann man sich dafür heute ganz kuschelig Zeit nehmen und stundenlang bis ins kleinste Detail abwedeln oder abdunkeln, HDRs erzeugen, Maskieren und so weit und so fort. Zugegeben, Sachen die zum größten Teil bereits zur analogen Zeit möglich waren, allerdings man hat damals manche Mangeln im Kauf genommen, man hat buchstäblich mit Händen gearbeitet (öfters auch bei Dodge und Burn), und man hat unter einem Zeitdruck gearbeitet, dass es nicht möglich gemacht hat, alles penibel zu bearbeiten: man musste manchmal auch schwere Entscheidungen treffen und mit Kompromissen leben können. Das hat aber vielleicht mehr zu realistische oder natürliche Bilder geleitet. Jedes Bild war anders, man konnte das Autogramm eines Autors oder Printers leichter erkennen, sogar jede neue Bearbeitung aus dem gleichen Negativ war, selbst wenn leicht, einfach anders.

Was wird aufs Spiel gesetzt? Die echten Kosten

Wir erleben deswegen eine steigende Homologation von immer mehr perfekten (und öfters langweiligen) Bildern die sich einander auch immer mehr ähneln. Manchmal muss man einfach abschalten und auf die Vergangenheit zurückblicken. Und da wird man staunen, wie bei selbst großen Meistern der Fotografie öfters nicht perfekte Bilder zu sehen waren. Man wird sich wundern, wenn man auf Bilder eines Elliot Erwitt oder eines Sergio Larrein zum Beispiel stoßt, die Unscharf waren oder eine Bewegungsunschärfe hatten. Das kommt natürlich leichter in der Straßen-, Reportage-, Lifestyle- und Reisefotografie vor, d.h. als man mit Faktoren zu tun hat die der Fotograf nicht immer und nicht ganz kontrollieren konnte/kann. Das hatte aber Vielfalt gebracht und eine gewisse Ehrlichkeit, weil das Leben selber nicht perfekt ist und manchmal ist es wichtiger einen Moment einfach zu fangen als ein perfektes bedeutungsloses Bild zu erhalten. Manche die, wie ich, mit Bildern aus dem letzten Jahrhundert groß geworden sind, können das vielleicht besser verstehen. Und die anderen, die es vielleicht nicht verstehen können, werden aber trotzdem vielleicht eine gewisse Nostalgie erleben, die sie selber nicht einfach begründen können. Das hat mit dieser Ehrlichkeit zu tun, die nicht aber mit absoluter Wahrheit oder Objektivität zu verwechseln ist: Reine Objektivität ist selbst in der Fotografie eine Täuschung. Trotzdem kann ich gleichzeitig subjektiv und ehrlich sein.

So gibt es noch heute nichts desto trotz Fotografen die selbst im digitalen Zeitalter nach diese Ehrlichkeit suchen. Selbst ein Paolo Pellegrin ist heute mehr oder weniger gezwungen digital zu fotografieren. An seinen Bildern hat sich aber bei diesem Übergang ganz wenig geändert. So sind manche Bilder vielleicht unterbelichtet oder mit gefressenen Lichtern oder gesoffenen Tiefen oder vielleicht sind sie noch unscharf. Sind sie deswegen weniger schön/gut? Was macht ein Bild aus, was ist schön? Das soll sich nicht als Aufruf anhören, schlechtere Bilder zu machen. Ich meine einfach nur damit, dass es keine absoluten Werte gibt und was für ein Interieurbild gilt kann gleichzeitig zweitrangig für ein Streetbild sein, sobald andere Faktoren in Spiel kommen.

Bilder analysieren und richtig verstehen: "jedes Bild eine Geschichte"

All diese Überlegungen, kann man einfach aus diesem Bild hier oben entnehmen, wenn man es nur genauer anschaut. Was ist bei diesem Bild passiert? Was ist in diesem Bild „falsch“? Wenn man genauer schaut, man wird merken, dass die Figur im Bild leicht unscharf ist. Zufall? Kann der Fotograf nicht fotografieren? Hat die Kamera falsch fokussiert? Diese sind alle Fragen die ich ganz einfach beantworten kann, und das werde ich gleich, aber die wichtigste Frage überhaupt sollte sein: wirkt das Bild? Das ist, was wirklich zählt. Natürlich hätte der „Seemann“ schärfer sein können, aber in einer Welt von „hätte“ und „könnte“ entstehen auch keine echten Bilder, die bleiben einfach in der Schublade des Fotografen, der es nicht wagt nicht perfekte Bilder zu schießen.

Die Antwort: ganz einfach wollte ich die Osteria im Hintergrund als Dorflandschaft aufnehmen. Ich hatte auf dem Schild fokussiert und, mit Blende 4, wollte dabei eine gewisse Unschärfe im Vorder- und Hintergrund behalten. Plötzlich sah ich im Augenwinkel den Mann und hatte noch gerade die Zeit, um das Bild neu zu komponieren und zu schießen. Bei Straßenfotografie ist es einfach so: der Schicksal ist ständig an arbeiten und der Fotograf der es wagt, der wird auch öfters wunderbar belohnt. Wie in diesem Fall. Hätte ich Zeit verschwendet, um nachzuschärfen und die Kamera umzustellen, wäre dieses Bild verloren gegangen. Ist es nicht einfach herrlich? Der Mann trägt Blau, farblich einfach mit den Gittern auf der rechten Seite des Bildes abgestimmt. Noch dazu, scheint er aus einem anderen Zeitalter zu kommen und das Schild im Hintergrund sagt doch, vom Italienisch übersetzt: „Es war einmal…“.

Und es ist kein gestelltes Bild: wie kann man das erkennen? Eben an der leicht mangelnden Schärfe; Schärfe die ich sonst selbstverständlich normalerweise zu erzielen versuche : deswegen ist es auch wichtig das Portfolio eines Fotografen zu kennen, um besser zu verstehen wie er arbeitet. Wie in diesem Fall: einmal, dass man weiß, dass das, was als Fehler ansonsten zu verwechseln wäre, bei einem gewissen Fotografen kein zuhause hat, kann man nach andere Interpretationen/Gründe weitersuchen.

In diesem Fall ist diese Unschärfe einfach das Autogramm dieser echten und ehrlichen Straßenfotografie: das ist das Leben.

PS: Tatsächlich hätte ich das Bild auch ganz einfach „Es war einmal…“ nennen. Aber davon gibt es schon viele. „Blue“ ist auf Englisch, u.a., auch ein „Mood“, eine Stimmung oder Laune, die so ungefähr mit einem Mix aus Traurigkeit, Nostalgie und Depression zu bezeichnen ist. Die Mauern der Burg, der Gesichtsausdruck des Mannes, der Schild, sorgen für diese Stimmung. Die Burg heißt Arenzano. So bin ich zu diesem Titel gekommen.

Ride on the countryside

Bleiben wir noch ein bisschen und etwa in der Umgebung der Straßen-, Reise-, Reportage- und Lifestylefotografie, spricht: einer etwa spontanen Fotografie.

Eigentlich ist das Bild bei einem Classic-Cars Rennen entstanden. Alle wissen worum es geht oder haben zumindest eine Idee davon. Und wir wissen alle auch, welche die Bilder sind, die meisten aus diesen Veranstaltungen zu erwarten sind. Ich selber hab ganz viele davon.

Trotzdem kann auch so ein Anlass sich in einer Gelegenheit wandeln, um ein paar gute Fine Art Prints und außergewöhnliche Bilder zu machen, die sich in einem Raum jenseits des „klassischen“ Rennens bewegen. So ist es hier passiert. Eigentlich unterwegs zur nächsten Etappe, ich saß als Beifahrer, plötzlich waren auf dem Land nur wir und das Auto vorne, als hätte man uns zu einer anderen Zeit katapultiert. Das Licht war stimmig, alles strahlte eine surreale Ruhe. Klick, wie ein Reflex, und schon war das Bild fertig :-)

Red Snake

Letztes Bild für einen kompletten Stimmungswechsel. Entstanden auf der Expo 2015 in Mailand, soll als Vorgeschmack dienen: Ich werde versuchen bald eine Galerie mit noch mehr Bildern daraus zusammenzustellen und, wer weiß, vielleicht noch dazu ein Blog zu schreiben.

„Red Snake“, „Rote Schlange“: da brauche ich nicht viel dazu zu sagen, nicht war? Dafür, denke ich, war das für heute genug ;-)

Ich freue mich auf Ihre Impressionen, Anregungen, Feedbacks und Fragen.

Bis bald!

Fabio

Weitere Fotos: www.fabiograzioli.de

All rights reserved Copyright © Fabio Grazioli Photographer 2012-2015

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